Neu: Trad Musik Blog

Auf der Webseite „Bal Folk in Köln“ gibt es eine neue Rubrik, den Trad Musik Blog.

Hier findet man ab sofort Infos, Links, Interessantes und Fundstücke zum Thema „Traditionelle Musik“.

Auch Trad und Bal Folk Musiker können im Blog nach gemeinfreier, also auch Gema-freier, Musik stöbern.

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Trad Musik Blog

Der Bal Folk Kalender für das Rheinland und angrenzende Regionen

Einige haben sicher schon festgestellt, dass oben im Menü der Kölner Bal Webseite ein neuer Link „Bal Folk Kalender“ eingefügt wurde.

Der Link führt zu einer Kalender Monatsansicht, in die Termine für Bals Folk, kleine und grössere Feste und Kurse eingetragen sind, an denen Besucherinnen und Besucher des Kölner Bals häufig teilnehmen.

Sucht man Veranstaltungen in einem bestimmten Monat, klickt man in der PC Ansicht (anders als bei der Smartphone-Ansicht) einfach oben links auf „Datum“ und kann dann den gewünschen Monat auswählen. Man klickt sich dann bei dem jeweiligen Event weiter bis zum Link des Veranstalters.

Man kann auch die Form der Termin-Ansicht ändern. Möchte man von der Monatsansicht zur Listenansicht wechseln, geht man jetzt in der PC Ansicht  oben ganz rechts auf „Anzeigen als Monat“, klickt auf „Monat“ und bekommt jetzt zusätzlich die Möglichkeit, mit Klicken auf „Liste“ zu einer Listenansicht zu wechsen.

Die Listenansicht vereinfacht auch die dritte Suchmöglichkeit, nämlich die Stichwortsuche, die man im Feld „Suche“ beginnen kann. Gibt man z.B. das Stichwort „Köln“ ein, werden momentan alle Termine des Kölner Bals im Jahr 2017 angezeigt. Eine entsprechende Suche kann man mit anderen Stichworten durchführen.

Der Kalender kann für verschiedene Arten von Veranstaltungen betrachtet werden:

Kalender für häufig besuchte Bälle und Festivals
Kalender für kleine und grosse Festivals in Deutschland und Europa
Kalender mit allen eingetragenen Veranstaltungen

Um von der Ansicht einer einzelnen Veranstaltung zurück zum „Kalender für häufig besuchte Bälle und Festivals“ zu gelangen, klickt man am besten wieder oben im Menü auf „Bal Folk Kalender“.

Wenn man bei der Ansicht einer einzelnen Veranstaltung auf den Link „alle Veranstaltungen“ klickt, dann kommt man zum „Kalender mit allen eingetragenen Veranstaltungen“.

 

Ein weiterer Tip, um Veranstaltungen in Europa und Deutschland zu finden:

Der Verein „Stuttgarter Balhaus e.V. hat eine umfangreiche Liste mit Infos zu Bällen und Festivals  erstellt.

ah

 

 

Sammlung Dahlhoff: Transkriptionen für Musiker

In einem älteren Beitrag wurde schon über die Musikhandschrift Dahlhoff berichtet.

Jetzt gibt es Neuigkeiten dazu. Interessierte Musiker können jetzt nach Dahlhoff Musik in pdf-Notenbüchern mit moderner, geläufiger Notenschrift stöbern. Ein Grossteil der Musik wurde von Richmud Rollenbeck in diese Form transkribiert und auf der Webseite folkfreun.de unter einer Creative Commons Lizenz zum Herunterladen angeboten:

https://www.folkfreun.de/dahlhoff.html

Sie beabsichtigt, in nächster Zeit  alle  Hefte der Sammlung zu bearbeiten und auf der Seite zu veröffentlichen.

Ein grosses Dankeschön dafür an Richmud.

ah

 

 

Jig-Chapelloise Weltrekord in Veurne (B) ?

Während unseres in Urlaubs an der belgischen Küste fanden wir den Hinweis, dass am Freitag, 17. Juli 2015  um 21 Uhr, auf dem schönen Marktplatz des Städchens Veurne in Westflandern der Versuch unternommen werden sollte, den Weltrekord im Jig-Chapelloise Tanzen aufzustellen.  Das Ziel war, möglichst viele Personen für den Tanz zusammen zu bekommen, für den „BIG JIG“.

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Ankündigung zum „BIG-JIG“ Weltrekordversuch in Veurne (B)

Als Bal Folk Tänzer wurden wir neugierig und fuhren hin. Der Weltrekordversuch fand im Rahmen eines mehrtägigen internationalen Folklorefestes statt, das von der Volkstanzgruppe Zannekin ausgerichtet wurde.

In einem kleinen Zelt konnte sich jeder, der mitmachen wollte, registrieren lassen und erhielt ein Band um den Arm, um sich als Teilnehmer auszuweisen. Sollte denn jeder mittun können – ohne Tanzerfahrung?

Wir entschieden uns wegen des rauhen unebenen Pflastersteinbodens auf dem Marktplatz und wegen der vielen unerfahrenen Tänzer fürs Zuschauen und Fotografieren.

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Geduldig standen die Besucher vor dem gelben Zeltdach Schlange, um sich als Teilnehmer am Weltrekordversuch im Jig Tanzen registrieren zu lassen

Bei der Kurzanleitung des Tanzes konnten wir beobachten, dass die Teilnehmer  paarweise in Reihen aufgestellt wurden mit Blickrichtung zur Bühne – kein Kreis wie sonst üblich bei dem Tanz. Die Paare blieben immer zusammen. Es gab also keinen Partnerwechsel bei der Chapelloise.

Nach einer kurzen „Grundausbildung“ wurden die Teilnehmer „in den Jig geschickt“.
Für den Weltrekordversuch strebte man 750 Teilnehmer an.

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Anstatt im Kreis wurden die Tänzer paarweise in mehreren Reihen in Richtung Bühne aufgestellt, um sie besser zählen zu können

Nach einer ersten Zählung der Reihen landete man dann aber erst bei 650 Teilnehmern. Und so wurde dann in „Wetten-dass“ Manier per Mikrofon dazu aufgerufen, Nachbarn und Freunde zuhause anzurufen und zu bitten, mitzumachen. Auch die Gäste auf den Aussenterassen der umliegenden Restaurants wurden dazu aufgefordert.

Und schliesslich – eine erneute Zählung ergab dann tatsächlich 756 Teilnehmer.
Jetzt musste man nur noch tanzen und dann…

Die Musik zum Ereignis spielte die Bal Folk Gruppe „Te Fête“. Und es tanzte wirklich jeder mit jedem: Kind mit Kind und Mann mit Mann, Hauptsache Weltrekord.

Und tatsächlich: Chapelloise wurde getanzt und der BIG JIG Rekord erreicht!
Veurne war glücklich.

 

Reportage des regionalen TV-Senders FOCUS

 

Aber war das wirklich ein Weltrekord? Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen. Auf der Webseite der Guinness Weltrekorde ist nirgends ein Hinweis auf einen Jig oder Chapelloise Weltrekord zu finden. In dem Video wird allerdings darauf hingewiesen, dass man noch auf Antwort vom Guinnesbuch der Rekorde wartet.

Beim Stöbern auf der Guinness Weltrekord Seite bin ich aber auf andere Rekorde beim traditionellen bzw. Bal Folk Tanz gestossen, die ich dem geneigten Leser und  Tänzer nicht vorenthalten möchte.

Tänze mit den meisten Teilnehmern:

Der grösste Quadrille Tanz an verschiedenen Orten (verschiedene Länder)

Der grösste Polka Tanz (Deutschland)

Der grösste Fandango Tanz (Kolumbien)

Der grösste Madison Tanz (Kambodscha)

Der grösste Irische Tanz (USA)

Der grösste Tarantella Tanz (Unna, Deutschland)

Grösster Tanz um den Maipfahl
(Bavarian Club – GTEV Chiemgau Windsor, Ontario, Canada)

Grösster Morris Tanz

 

ah

 

 

 

 

 

 

 

Fotos vom „alten Frankreich“ auf Flickr-Commons

Viele, die sich für europäische Trad-Musik interessieren, mögen auch die mehr oder weniger verborgenen Schätze, Sehenswürdigkeiten und Eindrücke, die die Länder in Europa zu bieten haben.
Deshalb hier der Hinweis auf Fotos vom „alten Frankreich“ ( 1 und 2 ) , die die „Bibliothèque de Toulouse“ aus ihren Archiven über das Portal Flickr-Commons zur Ansicht und freien Nutzung zur Verfügung gestellt hat.

Bei den Fotos in Flickr-Commons handelt es sich um überwiegend alte Bilder, für die keine Urheberrechtsbeschränkungen bekannt sind. Man kann unter Anderem dort Leben und Welten des 19.  und frühen 20. Jahrhunderts entdecken, die uns heute  ziemlich unbekannt und fremd erscheinen.

Hier einige Fotoalben der „Bibliothèque de Toulouse“ zum Stöbern:

Region Pyrénées-Orientales

Region Aude mit Carcassonne

Region Provence

Region Côte d’Azur

Region Toulouse

Region Auvergne

Region Charente-Maritime

Département Ariège

Département Tarn-et-Garonne

Département Aveyron

last not least, auch  ein Fotoalbum zu Deutschland mit alten Bildern wird von der Bibliothek präsentiert

 

ah  28-5-2015

 

 

 

 

Alte Heischebräuche im Karneval

Zu Karneval kennen wir heute Karnevalsumzüge, bei denen Kamelle (Süsses) und Strüssjer (kleine Blumensträusse) an die umstehenden Zuschauer verteilt werden. Wir kennen „Karnevalshits“, die sich von Jahr zu Jahr ändern. Jedes Jahr kommen Neue hinzu.

Aber wie wurde Karneval hierzulande früher gefeiert? Und ist da noch etwas von alten Bräuchen, alten Liedern und Musik im Karneval übriggeblieben?

Zur Gewohnheit zu Karneval gehörte in vielen Regionen früher das Umherziehen über Land und das Sammeln von Essen. Das eingesammelte Essen wurde dann abends oder am nächsten Tag bei einem gemeinsamen Fest meist mit Tanz und Musik verzehrt.
Diese sogenannten Heischebräuche, also das Sammeln von Essen mit dem Singen von Liedern oder Spielen von Musik kennen wir unter anderem als Martinssingen an St. Martin.

Besonders gepflegt  wird dieses alte Brauchtum zu Fastnacht heute noch im ländlichen Lousiana in den USA, das  französisch geprägt ist. Dort findet man heute noch auf dem Land die Sitte, dass Menschen in Gruppen und verkleidet umherfahren, singen, tanzen, feiern und dabei von den Bewohnern an der Strecke eine Gabe für ein Festessen am Abend erbitten, zum Beispiel Reis, Kartoffeln oder ein Hühnchen..
Das Lied, das beim Umzug meist gesungen wird, ist der Mardi Gras-Song
( Youtube Video mit Balfa Brothers ).

In Lousiana wird das Festessen als Gumbo gereicht, ein Eintopf, zubereitet aus den gesammelten Lebensmitteln. 

Der Leiter der Gruppe, der Capitaine, trägt einen Stock mit einer weissen Fahne mit sich. Er geht zum Haus der Bewohner und fragt an, ob die Mardi Gras Gesellschaft in das Haus oder auf das Grundstück darf.

Einen Einblick in das Treiben erhält man in den ersten 6 Minuten des Films „Dry Wood“, in denen die Musiker Canray Fontenot und „Bois Sec“ Ardoin mitspielen.

Karneval-muensterland
Heischebrauch zu Karneval im
Münsterland. Die Kinder sammelten
früher auf der „Lütke Fastnacht“
Brezeln und Würste wie hier in den
1930er Jahren im sauerländischen
Fredeburg. Foto: LWL/Grobbel

In Deutschland wurde der Karneval in vielen Gegenden ähnlich zelebriert und wird es teilweise noch heute. Berichtet wird der Brauch aus dem Münsterland und grossen Teilen Westfalens. Auch hier zog man umher und sammelte Wurst, Eier etc. für ein Fest ein. Diese Sitte nannte man „Wurstaufholen“. Schulkinder kamen meist zur „lüttken Fastnacht“, zur Weiberfastnacht, zum Sammeln.

Lieder, die in Westfalen und angrenzenden Regionen zu dieser Gelegenheit gesungen und aufgesagt wurden, kann man hier  auf der Webseite des Volkskundearchivs der volkskundlichen Kommission Westfalen hören:

Lütke, lütke Fastenacht (aus Hagen, Text kann von Seite geladen werden)

Frau, goaht nao Schorsteen da hangt ne lange Worst drin  ( aus Kreis Borken)

‚k hebbe so lang mette Fuckepotte loopen… aus der Region Bad Bentheim an der niederländischen Grenze. Fuckepott oder auch Rummelpott, Brummtopf ist ein meist selbst gebasteltes Geräusch- und Rhytmusinstrument, das zum Karneval und zu Sammel-Umgängen verwendet wurde


Auch aus dem Rheinland wird von Sammelgängen, den Heischegängen, an Karneval berichtet. In Roisdorf, im Vorgebirge, zwischen Köln und Bonn waren die Heischegänge das zentrale Element des Fastnachtsbrauchtums, die hier
„Fuckjagen“ genannt wurden.

Laut Webseite der Heimatfreunde Roisdorf leitet sich der Begriff „Fuckjagen“, der andernorts auch als „Vuhjagen“ bekannt ist, möglicherweise von dem niederländischen „fooi“ (Trinkgeld) ab, also den Gaben, die man während des Zuges durch das Dorf erbettelte.

In einer Volkskunde-Zeitschrift von 1904  (1) wird beschrieben, dass in der Umgegend von Köln die Burschen am Fastnachtstage mit einer Karre an die Häuser des Dorfes fuhren und Lebensmittel zusammenholten, die ihnen meist reichlich gespendet wurden. Davon wurde im Wirtshaus ein Mal veranstaltet. Weil die Sitte zu Ausschreitungen führte, wurde sie verboten.

Auch dort wiedergegeben ist eines der rheinischen Lieder, welches bei solchen Anlässen im Rheinland gesungen wurde:

Huh Fastelovend !
Gävv mer jett vom Brode,
Gäff mer jett vom decke Speck
Dat ich ens korre ( versuche) wi et schmeck !
Setz de Leeder an de Wand,
Schneck de Brodwuesch en de Hand !
Tahs (taste) noh de lange.
Loss de kueten hange !
Tahs en dat Eierfass,
Wäeden öch de Häng nit nahss,
Goht in de Kammer,
Sökt (sucht) uns jätt zosamme,
Vell sall se gevve,
Lang sall se levve!
Obet (übers) Johr en diese Zeck (Zeit)
Soll de Frau im Himmel senn!

Lousiana und  „Old Europe“  waren – zumindest karnevalistisch – also gar nicht so weit voneinander entfernt. Das belegt auch diese Erzählung aus der Eifel :

In dem Buch „Sitten und Sagen, Lieder, Sprüchwörter und Räthsel des Eifler Volkes:“ von 1856  (2)  findet man auf Seite 19 den Bericht, dass in dem Orte Speicher  in der Fastnacht die Burschen verkleidet auf Pferden und Eseln umherritten. Der dabei anwesende Kellermeister gab Jedem zu trinken. Dem Zuge voran ging ein Baiazzo mit einem Besen, um Platz zu machen. Hierauf ritten alle vor den Ort, stiegen ab gaben ihren Reitknechten die Pferde zum Halten und tanzten zusammen unter Begleitung von Musik.

Das Sammeln von Essen zu Karneval ist in einigen Orten der Eifel wohl auch heute noch üblich (3).

Zampern_1

Zampern in Klein Schauen 1955
(Wikimedia Commons)

Umzüge mit dem Einsammeln von Lebensmitteln findet man ebenso noch im Hessischen. Tanzfeste an Karneval mit vorher eingesammeltem Lebensmitteln gibt es in der sorbischen Niederlausitz (4). Dort spricht man dann von  „Zampern“ oder sorbisch „Camprowanje“.

In die Welt des sorbischen Zamperns erhält man eine Einführung auf der Webseite der Gemeinde Schmogrow-Fehrow (5).
„Die Wurzeln des Zampern liegen in vorchristlicher Zeit. Mit magisch-kultischen Elementen wie Lärm, Maskerade, Rutenschlagen und Tanz sollten Dämonen und Gefahren vom Dorf abgewendet werden. Verschiedene Symbolfiguren waren früher in jedem Zampernzug vertreten: Der Bär als Symbol für den abziehenden Winter, der Storch und der Schimmelreiter als Symbole für den Frühling, die zweigesichtige Frau oder die Doppelfigur „Der Tote trägt den Lebenden“. Diese Zampernfiguren sollten die Kräfte der Natur beeinflussen…….. Bis heute hat sich in Schmogrow auch der Brauch erhalten, dass die Zamperer mit Weiden- und Birkenruten ausgestattet sind. Mit diesen „Lebensruten, die die im Frühjahr neu aufsteigenden Lebenskräfte symbolisieren, werden Kinder und Erwachsene berührt.“

Ein schönes Motiv zum Thema „Zampern“ ist auf einer älteren DDR Briefmarke dargestellt, die momentan bei Wikipedia betrachtet werden kann.

 

(1)
Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde (1904)S. 120 ff. „Das Einsammeln der gaben zur Fastnachtszeit in Lied und Brauch“von. C. Rademacher

(2)
Sitten und Sagen, Lieder, Sprüchwörter und Räthsel des Eifler Volkes:“ von 1856S. 19

( 3 )
eifeltour.de
http://www.eifeltour.de/index.php/Hintergrund/karneval-in-der-eifel.html

(4)
http://www.multi-deutsch.de/heischegaenge.html

(5)
http://www.schmogrow-fehrow.de/seite/95584/traditionspflege.html